Pflege-Jobs mit regelmässigen Arbeitszeiten sind sehr begehrt, aber dünn gesäht.
Als Stellenvermittlerin im Gesundheitswesen erhalte ich immer mehr Anfragen nach solchen Stellen. Versorgungsbereich, Fachgebiet und Tätigkeit spielen dabei meist eine untergeordnete Rolle. Hauptsache weg von wechselnden Diensten, von kurzfristigen Einsatzplanungen, vom Disponieren, Einspringen und dem Berg an Überstunden.
Ich gehe in diesem Artikel auf die Gründe ein, warum es in der Pflege so wenige Jobs mit regelmässigen Arbeitszeiten gibt und wiege Vorteile und Nachteile gegeneinander ab. Am Schluss verrate ich, wo diese Stellen zu finden sind.
Pflegebedürftige Menschen beginnen nicht erst morgens um Neun damit, pflegebedürftig zu sein und sie hören um 17 Uhr nicht plötzlich damit auf. Pflege bedingt also Schichtarbeit.
Und das zeigt sich auch in den Arbeitsmarktzahlen*:
In der Schweiz arbeiten 15.9% Schicht. Im Gesundheits- und Sozialwesen sind es 36,6%. Im Bereich Pflege ist dieser Anteil noch sehr viel höher.
Nun könnte man doch das gesamte Pflegepersonal auf sagen wir drei Schichten aufteilen. Ein Teil arbeitet immer früh, ein anderer immer spät und die verbleibenden immer nachts. Und alle wären mit ihren regelmässigen Arbeitszeiten zufrieden, oder?
Leider nein.
Warum gibt es in der Pflege so wenige Stellen mit regelmässigen Arbeitszeiten?
Was sind also die Gründe, warum in der Pflege nicht regelmässig(er) gearbeitet werden kann?
- Der Personalmangel in der Pflege führt dazu, dass die vorhandenen Mitarbeitenden flexibel arbeiten müssen, um alle Schichten abzudecken, einschliesslich Nachtschichten, Wochenenden und Feiertagen
- In Notfallsituationen müssen Pflegekräfte oft über ihre regulären Arbeitszeiten hinaus arbeiten. Diese Situationen sind unvorhersehbar und erfordern Flexibilität bei den Arbeitszeiten.
- Gesetzliche und organisatorische Vorgaben geben vor, dass Pflegeeinrichtungen bestimmte Personalquoten (Stellenschlüssel) zu jeder Zeit einhalten müssen, was ebenfalls zu unregelmässigen Arbeitszeiten führt.
- Die verschiedenen Schichten in der Pflege sind unterschiedlich beliebt, mit Abstand am beliebtesten ist der Frühdienst (zwischen Montag und Freitag). Es würden sich deshalb zu wenige Pflegekräfte finden lassen, die ausschliesslich unbeliebte Schichten übernehmen würden.
Seit der Corona-Pandemie hat der Wunsch ausschliesslich im Frühdienst zu arbeiten stark zugenommen, da sich viele Pflegefachkräfte durch geregelte Arbeitszeiten bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Lebensqualität erhoffen.
Doch trifft dies wirklich zu? Was sind Vor- und Nachteile von regelmässigen Arbeitszeiten?
Vorteile von regelmässigen Arbeitszeiten in der Pflege
Von den Vorteilen regelmässiger Arbeitszeiten profitieren vor allem diejenigen Pflegekräfte, welche dieses Privileg haben:
- Verbesserte Work-Life-Balance: Regelmässige Arbeitszeiten ermöglichen eine bessere Planbarkeit des Privatlebens. Sie können Ihre Freizeit, Familienzeit und persönliche Termine besser koordinieren, was zu einer verbesserten Lebensqualität beiträgt.
- Gesundheitliche Vorteile: Ein geregelter Tagesablauf mit festen Schlafens- und Mahlzeiten kann Ihre Gesundheit fördern. Ein stabiler Biorhythmus trägt dazu bei, Erschöpfung und Stress zu reduzieren, was langfristig Ihre körperliche und psychische Gesundheit stärkt.
- Erhöhte Zufriedenheit: Ein klarer und stabiler Arbeitsplan schafft Sicherheit und Routine, was die allgemeine Zufriedenheit im Beruf steigern kann. Mit regelmässigen Arbeitszeiten ist es einfacher, sich auf den Arbeitsalltag einzustellen und diesen vorhersehbar zu gestalten.
- Produktivität: Mit festen Arbeitszeiten lässt sich die Pflege besser planen und organisieren. Dies kann die Effizienz und Produktivität am Arbeitsplatz erhöhen, da klar definierte Zeitfenster für die jeweiligen Aufgaben bestehen.
Nachteile von regelmässigen Arbeitszeiten
Für die Pflegefachkräfte gibt es v.a. zwei potentielle Nachteile:
- Monotonie: Ein fester Arbeitsplan kann für manche Pflegekräfte weniger Abwechslung bedeuten. Die Routine kann zu einem Gefühl der Monotonie führen und langfristig die Motivation und Freude beeinträchtigen. Für einige Pflegekräfte, die die Vorteile der Schichtarbeit schätzen (z.B. freie Tage unter der Woche), könnte dies ein Nachteil sein.
- Unzufriedenheit und Frustration: Pflegekräfte, die zwar regelmässig, aber zu weniger beliebten Zeiten arbeiten oder Dienste umtauschen und zusätzlich einspringen müssen, fühlen sich oftmals benachteiligt. Dies kann die Arbeitsmoral und Zufriedenheit negativ beeinflussen und zu einer höheren Fluktuation führen. Darum fordern die Fachkräfte zwingend bessere Arbeitsbedingungen.
- Auch finanzielle Anreize für unbeliebte Schichten und Einspringen könnten helfen. Höhere Löhne, Zulagen, Zeitgutschriften mit zusätzlichen freien Tagen, wären ein möglicher Beitrag, diese Zeiten attraktiver zu gestalten und die Bereitschaft zur Übernahme solcher Schichten zu erhöhen.
Daneben haben regelmässige Arbeitszeiten vor allem Nachteile für die Arbeitgeber*innen:
- Eingeschränkte Flexibilität: In einem Bereich, in dem während 24/7 gearbeitet werden muss, kann die Flexibilität leiden. Geplante Ereignisse wie Ferienabwesenheiten, Unvorhergesehene Ereignisse, wie Krankheitsausfälle und dringende Patientenbedürfnisse erfordern oft spontanes Einspringen und Überstunden, die durch feste Arbeitszeiten schwerer zu handhaben sind.
- Personalengpässe: Der akute Fachkräftemangel im Gesundheitswesen bedeutet, dass regelmässige Arbeitszeiten schwierig umzusetzen sind, vor allem in Versorgungsbereichen, wo Menschen sowohl am Tag als auch nachts und an Wochenenden Pflege und Betreuung benötigen. Knappe Stellenschlüssel, Personalengpässe, typische Ferienzeiten und unvorhergesehene Ausfälle erfordern ein hohes Mass an gegenseitiger Rücksichtnahme, Flexibilität und spontanen Anpassungen im Dienstplan.
- Herausforderungen bei der Planung von Frühdiensten: Viele Pflegekräfte bevorzugen regelmässige Arbeitszeiten von Montag bis Freitag ab 7 bis 16 Uhr. Sähe der Dienstplan vor allem Frühdienste vor, führte dies unweigerlich zu einem Ungleichgewicht in der Schichtbesetzung, da Mittel-, Geteilte, Spät-, Nacht- und Wochenenddienste unterbesetzt bleiben. Dies erhöht den Druck auf die verbleibenden Mitarbeitenden und beeinträchtigt somit direkt die Effizienz, Qualität und Sicherheit der Pflege.
Wo gibts Pflege-Jobs mit regelmässigen Arbeitszeiten?
Gute Chancen auf regelmässige Arbeitszeiten haben Pflegefachpersonen in Institutionen, welche keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung anbieten, wie z.B.:
- Ambulatorien
- Tages- oder Polikliniken
- Arztpraxen
- Psychiatrie-Spitex-Organisationen
- Gastroenterologie
- Schönheitschirurgie u.a.
Wie erhalte ich einen Pflege-Job mit regelmässigen Arbeitszeiten?
Den Wunsch nach einem beruflichen Wechsel und regelmässigen Arbeitszeiten ist nachvollziehbar. Folgende Punkte sind dabei zu beachten:
- Diese Arbeitsstellen sind sehr begehrt, eher selten und die Konkurrenz ist hoch
- Die Suche erfordert meist etwas Geduld und Glück
- Zudem ergibt es Sinn, sich über mögliche Aus- und Weiterbildungen bereits im Vorfeld Gedanken zu machen
- Je besser die eigenen Qualifikationen zum angestrebten Stellenziel passen, desto höher die Chancen, eine solche Arbeitsstelle auch zu erhalten
- Sich lediglich geregelte Arbeitszeiten als Hauptpriorität zu wünschen, ist einseitig.
- Um bessere Chancen im Bewerbungsprozess zu haben, ist es sinnvoll, die Fachkompetenz zu steigern
- Arbeitgeber möchten gerne möglichst zum Profil passende Mitarbeitende anstellen – sich geregelte Arbeitszeiten zu wünschen, kann nicht das einzige Argument sein
Lassen Sie uns gemeinsam darüber sprechen, welche Arbeitszeitmodelle und beruflichen Möglichkeiten am besten zu Ihnen und Ihrer individuellen Situation passen.
Ich stehe Ihnen gerne zur Verfügung, um gemeinsam nach geeigneten Stellen mit den gewünschten Arbeitszeiten zu suchen oder auch für eine Beratung, welche spezifischen Weiterbildungen dabei unterstützend sein könnten.
Kontaktieren Sie mich gerne unter der direkten Telefonnummer: 031 381 00 77
Fazit
In einem Berufsfeld, das rund um die Uhr besetzt sein muss, ist Flexibilität unerlässlich.
Die Erwartung, dass regelmässige Arbeitszeiten automatisch zu besseren Arbeitsbedingungen führen, ist verständlich, aber nicht immer realistisch. Es ist wichtig, dass Pflegekräfte sich der potenziellen Vor- und Nachteile bewusst sind und ihre Erwartungen realistisch einschätzen. Eine ausgewogene Lösung, die sowohl die Bedürfnisse der Fachkräfte als auch die Anforderungen der Einrichtungen berücksichtigt, ist essenziell.
* Quelle: Bundesamt für Statistik – Schichtarbeitende in der Schweiz 2002-2022